Die besonderen Herausforderungen eines CRO in Familienunternehmen

Die Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland zeigt seit einigen Jahren einen klaren Aufwärtstrend – und hat sich insbesondere seit 2023 deutlich verschärft. Die aktuelle Lage lässt sich nur im Zusammenspiel von konjunkturellen, strukturellen und politischen Faktoren verstehen.

Development of Insolvencies in Germany

Nach einem ungewöhnlich niedrigen Niveau während der Corona-Pandemie – bedingt durch staatliche Hilfsmaßnahmen und ausgesetzte Insolvenzantragspflichten – setzte ab 2023 eine Trendwende ein.

  • 2023: deutlicher Anstieg um über 20 % gegenüber dem Vorjahr 
  • 2024: erneuter starker Zuwachs (+22,4 %) 
  • 2025: rund 24.000 Unternehmensinsolvenzen, der höchste Stand seit 2014 
  • 2026 (Trend): weitere Zunahme, teilweise Höchststände seit über 20 Jahren 

Damit ist klar: Deutschland befindet sich aktuell in einer anhaltenden Insolvenzwelle, die sich bislang nicht abschwächt.

Besonders betroffene Branchen

Die Insolvenzen verteilen sich nicht gleichmäßig, sondern konzentrieren sich stark auf bestimmte Wirtschaftsbereiche:

  1. Baugewerbe

Das Baugewerbe gehört seit Jahren zu den am stärksten betroffenen Branchen. Gründe sind:

  • steigende Baukosten
  • hohe Zinsen (weniger Baufinanzierungen)
  • rückläufige Nachfrage nach Immobilien

Die schwache Baukonjunktur wirkt sich zudem negativ auf angrenzende Branchen aus. 

  1. Gastgewerbe (Gastronomie & Hotellerie)

Diese Branche weist eine überdurchschnittlich hohe Insolvenzquote auf:

  • hohe Energie- und Personalkosten
  • steigender Mindestlohn
  • zurückhaltende Konsumausgaben

Viele Betriebe haben zudem die Nachwirkungen der Corona-Zeit nicht vollständig überwunden. 

  1. Verkehr und Logistik

Auch Transport- und Logistikunternehmen sind stark betroffen:

  • hohe Treibstoff- und Energiekosten
  • Mautsteigerungen
  • Fachkräftemangel

Diese Branche zählt aktuell zu den Spitzenreitern bei Insolvenzen. 

  1. Verarbeitendes Gewerbe / Industrie

Die Industrie steht zunehmend unter Druck:

  • internationale Konkurrenz (z. B. aus China)
  • sinkende Nachfrage
  • hohe Transformationskosten (z. B. Energiewende, E-Mobilität)

Auch Zulieferbetriebe geraten verstärkt in Schwierigkeiten. 

  1. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU)

Besonders anfällig sind kleine Betriebe:

  • geringe finanzielle Rücklagen
  • eingeschränkter Zugang zu Finanzierung
  • hohe Abhängigkeit von kurzfristiger Nachfrage

KMU machen den Großteil der Insolvenzen aus. 

Zentrale Ursachen der Insolvenzwelle

Die steigenden Insolvenzen lassen sich nicht auf einen einzelnen Faktor zurückführen. Vielmehr handelt es sich um ein multifaktorielles Problem:

  1. Kostenexplosion

Viele Unternehmen kämpfen mit stark gestiegenen:

  • Energiepreisen
  • Löhnen
  • Materialkosten

Diese Belastungen können oft nicht vollständig an Kunden weitergegeben werden. 

  1. Schwache Nachfrage

Die Konsumzurückhaltung der Verbraucher sowie sinkende Investitionen führen zu:

  • Umsatzrückgängen
  • geringerer Auslastung

Besonders betroffen sind konsumabhängige Branchen wie Gastronomie oder Einzelhandel. 

  1. Steigende Zinsen und Finanzierungskosten

Die Zinswende belastet Unternehmen doppelt:

  • Kredite werden teurer
  • Investitionen werden verschoben oder gestrichen

Gerade kapitalintensive Branchen wie Bau oder Industrie leiden darunter. 

  1. Geopolitische und wirtschaftliche Unsicherheiten

Globale Krisen (z. B. Konflikte, Handelskonflikte) führen zu:

  • gestörten Lieferketten
  • unsicheren Absatzmärkten

Dies erhöht das Insolvenzrisiko zusätzlich. 

  1. Strukturelle Probleme und Managementfehler

Neben externen Faktoren spielen auch interne Ursachen eine Rolle:

  • fehlende Anpassung an verändertes Konsumverhalten
  • unzureichende Digitalisierung
  • strategische Fehlentscheidungen

Managementfehler gelten sogar als eine der häufigsten Insolvenzursachen. 

Conclusion

Die Entwicklung der Insolvenzen in Deutschland zeigt eine klare Dynamik: Nach einer künstlich gedämpften Phase während der Pandemie ist die Zahl der Unternehmenspleiten deutlich gestiegen und befindet sich aktuell auf einem langfristigen Höchstniveau.

Besonders betroffen sind strukturell anfällige Branchen wie Bau, Gastronomie, Logistik und Teile der Industrie. Die Ursachen liegen in einem komplexen Zusammenspiel aus steigenden Kosten, schwacher Nachfrage, geopolitischen Risiken und unternehmensinternen Schwächen.

Eine kurzfristige Entspannung ist derzeit nicht absehbar – vielmehr deutet vieles darauf hin, dass sich Unternehmen auch in den kommenden Jahren auf ein anspruchsvolles wirtschaftliches Umfeld einstellen müssen.

 

 



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